Gedanken zum Training



Meine Ansätze zur Ausbildung für Rennen und Coursing

von Susanne Walcher

Gewidmet meinen Lehrmeistern Elliot, Asir, Oribi, Aziza, Adjiri sowie Dingi und Cariño

 


Einleitung

Ich möchte hier einen Einblick geben, wie Training für Windhunde aussehen kann.

In den vergangenen 10 Jahren war ich mit meinen bisher zwei Whippet-Rüden besonders bei Coursings nicht unerfolgreich. Leider haben uns zuerst Corona und dann eine schwere Erkrankung in der Familie daran gehindert, weiter aktiv zu sein. Vielen Windhundebesitzern konnte ich im WRCT beim Antrainieren ihre Hunde erfolgreich helfen. Ich habe aufgrund meiner Erfahrungen mit zahlreichen Rassen in der Ausbildung zu Begleit- und Rettungshunden sowie in der Ausbildung meiner Hunde für den jagdlichen Gebrauch sehr viel Einblick in Hundeverhalten und Ausbildung erwerben können. Nachlesen kann man das alles hier: https://didingwe.blogspot.com/p/ausbildung-hund-und-mensch.html.

Es geht mir um den Hund und sein (Wohl-) Befinden, und um die rassegerechte Leistung. Nämlich das zu tun, was in ihm angelegt ist, was angewölft ist. Biological fullfillment. Claus Walcher hat bei meinen zahlreichen Coursings und Trainings die Fotos gemacht, nicht alle, aber die meisten. Einige Fotos sind aus Facebook entnommen, sie wurden öffentlich gepostet und die abgebildeten Menschen wurden verfremdet, da die Fotografen nicht bekannt sind. Bei manchen Fotos ist der Fotograf im Bild benannt.


Der Windhund als Sport- und Freizeithund 

Windhunde sind Jagdhunde. Die meisten jagen mit dem Auge. Sie sind Sichtjäger. Einige setzen, historisch aus ihrer ursprünglichen Arbeit heraus, auch die Nase ein.

Welchen Sport möchte ich mit meinem Windhund betreiben? Soll er ein Sporthund, aber auch Haushund sein? Möchte ich mit ihm zum Coursing oder zum Rennen gehen? Wie sieht es mit Ausstellungen aus?

Das sind Fragen, die Hirn und Bauch beantworten müssen. Inzwischen gibt es fast in jeder Windhunderasse sogenannte Showlinien und solche Linien, die sich durch ihre Anatomie für das Gewinnen von Rennen besser eignen. Weil sie einfach auf schneller sein gezüchtet wurden.

Oder möchte ich meinen Windhund nur seinen Anlagen gerecht auslasten? Ihm das „biological fullfilment“ bieten? Mit ihm meine Freizeit gestalten? Derjenige wird hier auch fündig werden.

Gehen Sie auf Rennplätze, schauen Sie zu und befragen Sie die Teilnehmer. Aber glauben Sie nicht alles! Verlassen Sie sich auf Ihren gesunden Menschenverstand!


Auswahl des Windhundes

Welche Rasse soll es werden? Ein Sprinter oder ein Ausdauerläufer? Also der Gegensatz zwischen Whippet und Saluki. Allrounder? Courser? Renner?

Welcher Züchter ist in der Nähe oder ist mir sympathisch? Hat er den Typ Hund, den ich suche? Kennt er sich mit den modernen Zuchtmethoden aus und nutzt die heutigen Möglichkeiten, die genetische Vielfalt zu erhalten? Welche Rennbahnen und Trainingsmöglichkeiten habe ich in der Nähe und kann mein Hund auf den Bahnen auch laufen? Wie schaut es mit Freilauf in meiner Umgebung aus?

Die Frage der Trainingsmöglichkeiten kann durchaus rasseabhängig sein. Viele Greyhounds werden nur auf Sandbahnen bewegt. Auch ist das Wesen der orientalischen Rassen von denen der okzidentalen verschieden. Und die mediterranen Windhunderassen sind nochmal anders. Auch im Jagdverhalten. Informationen bietet dazu z.B. der DWZRV in Deutschland oder der ÖKWZR in Österreich.


Die Psychologie dahinter – gemeinsames Jagen!

Was lässt einen Hund ein Rennen oder Coursing gewinnen?

Als Beispiel mag hier ein Whippetrüde aus einer reinen Showlinie dienen. Bei einem Coursing bei Bermatingen (der Ort heißt „Am Höchsten“) fokussiert er sich so auf das Lure (das ist der „Hase“ den er im Training IMMER erreichen konnte), dass er sich auch beim Angriff durch den Mitläufer nicht ablenken lässt – und sogar gewinnt!


     Foto: Claus Walcher

   Der Mitläufer (rote Decke) wurde nach dieser Attacke disqualifiziert


Ein weiteres Beispiel zeigt folgender Whippetrüde. Ein Überschlag bei einem Coursing in Welzheim beeindruckt ihn in keiner Weise. Er zeigt eine fantastische Körperbeherrschung und gewinnt den Titel Landescoursingsieger Baden-Württemberg.

 Foto: Claus Walcher


Wichtig zu wissen: Windhunde sind Jagdhunde. Sie mussten zusammen mit ihren Besitzern in alter Zeit zum Überleben der Gemeinschaft beitragen. Ein Hund, der keine Beute macht, taugt nichts. Ein Hund, der seine Beute nicht abliefert, taugt nichts. Der Erfolg kommt nur in der Zusammenarbeit mit dem Hundeführer. Windhunde müssen also einen gewissen Gehorsam zeigen! Wer als Hund schreit und bellt vertreibt die Beute. Das Schreien mancher Hunde vor dem Start wird von vielen als „Hasenschärfe“ bezeichnet. Das ist es nicht. Es ist der verzweifelte Versuch des falsch trainierten Hundes, seinen Frust und seinen Stress abzubauen. Seinen Frust, nie die Beute tatsächlich zu packen und besitzen zu dürfen.

Das ruhige Gehen an den Start schont die Ressourcen! Ein Hund, der im Training nicht frustriert wurde, hat Zeit für Steadiness: Steadiness bedeutet Zuverlässigkeit, Ruhe, Stabilität. Im Dummysport bedeutet Steadiness: Der Hund sitzt neben dem Menschen und wartet bis er zum Dummy geschickt wird. Schafft er es nicht zu warten, nennt man es Einspringen: Der Hund läuft dann ohne Aufforderung los. Und genau das kann man auf das Training des Rennhundes übertragen.

Denn: In beiden Fällen wird der Hund die Beute nicht erreichen.

Woher kommt der Frust? Weil oft Hunde ohne jegliche Vorbereitung auf den „Hasen“ losgelassen werden. Wenn sie dann überhaupt laufen, wird ihnen der Hase gleich abgenommen. Vielleicht wird auch im Training nur mit Maulkorb gelaufen, und so kommt der Hund immer mehr in den Zwang, sein Bestes zu geben um doch noch an sein Ziel zu kommen, den Hasen zu packen. Es kommt bei Rennen immer wieder vor, dass ein Hund einen Teil des Flatterbandes durch den Maulkorb hindurch erreicht und nicht mehr auslässt. Das erzeugt Stress und Hektik nicht nur beim Hund.

Im Training soll es das Ziel sein, die Beute zu packen, tot zu schütteln und im besten Fall zum Besitzer zu bringen. Und nur dann ist der Handlungsbogen fixieren-hetzen-packen-schütteln-bringen geschlossen und der Hund ist zufrieden. So einfach ist das!


Abschluss der Jagdsequenz beim Bahntraining mit Hasenabwurf. Zur Abwechslung und besseren Motivation des Hundes soll auch mit einem leichten Dummy statt der Bänder gearbeitet werden.


Der Hund ist eingezogen – wie geht es weiter?

Jegliches Training ist auf das Alter und die Gesundheit des Hundes abzustellen. Bitte dazu die entsprechende Fachliteratur befragen, einen im Hundesport erfahrenen Tierarzt konsultieren und sich an eine gute Hundephysiotherapie wenden! In den Sportordnungen der Vereine gibt es die Hinweise zu Renn-Distanzen und weiteren Anforderungen.

Bei Hündinnen ist im Training der Zyklus zu beachten! Nach der Läufigkeit lockern sich die Bänder und die Verletzungsgefahr steigt.


Wann fange ich an, wie fange ich an, und was darf der Welpe oder Junghund schon?

Das erste, was meine Welpen lernen, ist der Beutetausch. Nichts ist für den Hund frustrierender, wenn er den Hasen im Training gepackt hat und ihm dieser praktisch sofort entrissen wird. Nach dem Motto: wir müssen schnell sein, die nächsten wollen auch laufen. NEIN! Wir sind im Training und nicht auf einem Wettbewerb! Also lernt der Welpe von mir, dass er mir jegliche Beute überlassen soll – und dafür belohnt wird. Beim Beutetausch z.B. mit einem Leckerli.

Altersentsprechende Bewegung ist wichtig, aber keine Überbeanspruchung, wie bei allen anderen Welpen auch. Informationen zur altersgerechten Bewegung findet man in zahlreichen Fachbüchern.

Erste kleine Einheiten mit der Reizangel - aber nur auf einer kurzen Gerade ohne scharfe Wendungen - können die Erwartungshaltung, die Steadiness und die Konzentration fördern.

Als Reizangel verwende ich eine handelsübliche billige Teleskopangel mit einer möglichst steifen Reepschnur in der Länge der Angel. Das Reizangeltraining ist eine gute Möglichkeit, auch ältere Hunde zu motivieren und sicher zu machen.

     Foto: Claus Walcher

Gespanntes ruhige Warten vor dem „Hasen“ – die Schnur der Reizangel zum Hasen ist gespannt. Der Hund darf erst auf das Hörzeichen „Voran“ loslaufen. Tut er es vorher, bleibt der Hase liegen und bewegt sich nicht.

Hinweis: Beim Start aus dem Startkasten hat man auf den Hund definitiv keinen Einfluss mehr. Aber beim Coursingstart ist es ein Vorteil, einen ruhigen und fokussierten Hund zu halten, der nicht zappelt, keinen Fehlstart produziert, und vernünftig und kraftvoll vom Start wegkommt.

                                                    Foto: Susanne Walcher 

Zwei Whippet frei abgesetzt vor dem Hasen, der gezogen wird von einer kleinen elektrische Coursingmaschine. Das Hasi ist optimal (orange für den Hasenzieher, blau für die Hunde).


Das eigentliche Training

Ausdauer, Sprinttraining, Geschicklichkeit, ruhiges Gehen in den Startkasten

Training findet immer statt. Ob es beim Gassigehen die Abfrage des Gehorsams ist, ob zwischendurch verlorene Gegenstände gesucht und apportiert werden, ob es das Klettern über Stämme ist – es geht IMMER um die positive Zusammenarbeit zwischen Hundeführer und Hund! Sprintvermögen (also schnelles Losstarten), eine gewisse Ausdauer je nach Rasse, Wendigkeit, und gutes Beobachten des "Hasen" sind alles Dinge, die geübt und trainiert werden müssen. Dabei darf die Motivation des Hundes nicht leiden und eine körperliche Überlastung nicht eintreten. Dazu gehören ein oder mehrere passende Gelände, gerne mit leichten Hügeln, die gefahrlos belaufen werden können (keine Dachs- oder Mäuselöcher, keine Steine, kein zu harter Boden) und die Hilfsmittel Reizangel und Shock Cord (auch Bungeeseil oder „Gummischnürl genannt). Optimal ist noch eine zweite Person für Hilfestellungen und zur Beobachtung – auch der Umgebung. Natürlich gibt es auch elektrisch angetriebene Hasenzugmaschinen verschiedener Hersteller. Bitte keine Übertreibungen beim Training, oft ist weniger mehr. Leistungsform, Witterung (Hitze, Kälte) und andere sportliche Aktivitäten die man mit dem Hund betreibt sind immer zu bedenken.

Ausdauer:

Wir brauchen für den Windhundesport eine Grundausdauer: Rad oder Laufband sind dafür geeignet. Natürlich erst im passenden Alter und mit der notwendigen Einteilung der Strecke und den Pausen. Vorteil des Laufbandes: auch bei Schlechtwetter oder im Winter bei hoher Schneelage ist ein Lauftraining möglich.

Sprinttraining:

Um zu gewinnen ist ein schneller Start von Vorteil. Den erreichen wir mit einem Sprinttraining. Der Beschleunigung “von null auf hundert“. Das trainieren wir mit der Reizangel und dem Shock Cord. Dabei wird auch gleich das ruhige, konzentrierte Beobachten und die Aufmerksamkeit auf die Stimme des Hundeführers geübt. Erfolg für den Hund, also das losrennen dürfen, gibt es IMMER nur, wenn die Hörzeichen beachtet werden! Das setzt auch eine gute Beobachtungsgabe des Hundeführers voraus. Dreimal hintereinander Sprinten als Intervalltraining reicht. Als Hörzeichen verwende ich „warten“ und „voran“.

Der Hund lernt das ruhige Warten vor dem „Hasen“. Bestätigung – also losrennen dürfen – gibt es nur, wenn der Hund lange genug ruhig vor dem Hasen gesessen hat. Aber bitte nicht zu lange warten lassen! Ich bevorzuge ein weiches Gelände, wie eine feuchte oder etwas anmoorige Wiese. Gut trainierte Hunde können auch bergauf laufen. Steht eine Hilfsperson mit einem Dummy oben am Ziel, kann man den Hund im Handstart bergauf schicken und sich das Dummy bringen lassen. 


     Fotos: Claus Walcher

Hier geht es eine Skiabfahrt, die Kandahar, hinauf! 


Wie das mit der Reizangel funktioniert sieht man hier:


Ruhiges Sitzen vor dem Hasen          
                 


Lospurten auf Hörzeichen "voran"


Hetzen 


Packen

     Fotos: Claus Walcher

Abschluss der Jagdsequenz: Abliefern der Beute beim Hundeführer. Durch Senkrechthalten der Angel kann man den noch unerfahrenen Hund zu sich führen.


Beispielsvideos zur Reizangel:

https://www.youtube.com/watch?v=SR29dyHjcdE

https://www.youtube.com/watch?v=DYSSuHorIFs&t=6s

Die Reizangel besteht aus einer handelsüblichen Teleskoprute, bei der nur die Ringe benötigt werden. Als Schnur ist eine möglichst steife ca. 4 mm starke Reepschnur sinnvoll, die den Bewegungsimpuls direkt auf den Hasen weiterleitet.

Als Hasen kann man Bänder oder leichte Dummys verwenden. Die Farbe sollte immer variieren, da es für Wettbewerbe keine Farbvorschriften sondern nur Empfehlungen gibt.

Übrigens: Beute bewegt sich immer vom Hund weg! Wird sie zu ihm hin bewegt, könnte ein unsicherer Hund dies als Angriff verstehen und ins Meideverhalten kommen.

Das Verwenden von Shock Cord (Bungeeseil, Expanderseil oder „Gummischnürl“) hat den Vorteil, dass man den Verlauf der Strecke genau kennt und Löchern und Steinen ausweichen kann. Der Weg beim Ausziehen entspricht ziemlich genau dem Weg, den der Hund nehmen wird. Der Vorteil: Das Ding ist so schnell weg, dass kein Hund es erwischt. Und es liegt, bevor der Hund es je erreicht, er kann sich also den Bremspunkt selber suchen. Das Dummy, angehängt an einen offenen Haken, wird meistens frei und der Hund kann es apportieren. Der Jagderfolg ist somit gesichert. Man kann von Intervalltraining sprechen, wenn man das Seil gemeinsam mit dem Hund auslegt, spannt, den Hund hetzen lässt und apportieren und dann wieder spannt. 35 Meter Bungee-Seil in 3mm Dicke ergeben ca. 50 Meter Sprintstrecke. Ein längeres Seil bringt wegen der Reibung keine wesentlich längere Strecke und ist nur schwerer zu ziehen. Je kürzer und feuchter das Gras, desto länger die Strecke. Der offene Haken zum Einhängen des Dummys erlaubt, dass es sich aushängen und so vom Hund apportiert werden kann. Das Dummy wird mit Noppenfolie ausgestopft. Die ist sehr leicht und trocknet rasch. Ein zweiter Haken, geschlossen, oder ein Karabiner dient zur Befestigung an einem Baum oder Pfosten. Das Seil bleibt ca. 15 Meter davor liegen, es besteht also keine Gefahr, dass der Hund mit dem Pfosten kollidiert.



Foto: Susanne Walcher

                          Ein neongelbes Seil wäre von Vorteil! Man findet es besser im Gras. 


Wer das Glück hat, auf einem Renngelände ein Sprinttraining zu absolvieren, soll sich auch da nicht hetzen lassen. Hier ein gutes Beispiel. Der Hund ist ein Jahr alt, es ist sein zweites Sprinttraining mit dieser Hasenzugmaschine, und er würde die Beute gerne zum Besitzer apportieren:     

https://www.youtube.com/watch?v=JrCIRAW8-xA 

Wann ist die „Arbeit beendet“? Bevor der Hund ermüdet! Wichtig ist es, dem Hund zu signalisieren: das hast gut gemacht, aber jetzt hören wir damit auf. Das Entlassen in den Freilauf oder „nach Hause gehen“, auch zum Auto um zu entspannen, ist wichtig für die mentale Gesundheit des Hundes. Ich benutze tatsächlich das Hörzeichen „Arbeit beendet“. Auch beim Abholen des Hundes vom Hasen bei einem Wettbewerb.

 

Geschicklichkeit:

Die Geschicklichkeit kann man beim Gassigehen oder auf einem Hundeplatz mit Geräten üben. Liegende Stämme, große Steine, Gitterböden und was sich so in der Natur anbietet können genutzt werden. Das Wenden auf schmalen Brettern, das Steigen über Treppen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Dabei soll der Hund auch lernen, auf engstem Raum zu wenden. 

     Foto: Claus Walcher

Das Gleichgewicht halten - auch bei hoher Geschwindigkeit!

Geschicklichkeit kann man auf gut ausgestatteten Hundeplätzen trainieren und unterwegs in Wald und Flur. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Überwinden von Abständen ohne den Boden zu berühren

Wenden auf schmalen Brettern

Wenden und die Hinterhand richtig setzen














Ruhe beim Gehen zum Start:

Zum Training gehört nicht nur das Laufen, sondern auch - und das ist ganz wichtig! – das ruhige Gehen zur und in die Startbox sowie das ruhige Stehen in der Hand vor dem Coursingstart!

Hier einige Beispiele von guten und schlechten Hand- oder Coursingstarts.

Foto Claus Walcher

Ruhiges Halten eines Junghundes mit einem breiten Gurt 
im Training. Es ist für diesen Hund der erste Lauf hinter einem "Hasen" in offenem Gelände

     

                Korrekte Starthaltung bei einer fortgeschrittenen Hündin im Training. Foto Susanne Walcher

    

     Foto: Claus Walcher

Abnehmen einer Starthalsung, der Hund wird nur mit einer Hand „gehalten“. Offizielles Coursing in Trautskirchen


Trainingssituation auf einem Windhunderennplatz:                   Fotos: Claus Walcher


Der Hund geht mit leichter Anlehnung konzentriert zum Start


 

Absitzen auf Hörzeichen an lockerer Leine. Die Ohren sind zum Besitzer gerichtet, die Augen beobachten den bereits ausgelegten Hasen



Der Hund wird locker gehalten und wartet auf die Freigabe „voran“


Geht der Hund beim Training nicht ruhig mit dem Hundeführer Richtung Start, wird sofort umgedreht – der Hund kommt so nicht zum Erfolg! Man lässt dann einfach jemanden anderen, in Absprache, vorher starten. Lasst euch im Training nicht drängen, macht alles in Ruhe!


Hier eine Situation bei einem offiziellen Coursing:

Foto: Claus Walcher

Der Hund links hat Stress – der andere steht fest und ist aufmerksam mit Blick auf das Feld, die Leine hängt durch! Offizielles Coursing in Ingolstadt


Der Kopf des Starters sollte – gerade bei großen Rassen – neben dem Hund sein. So vermeidet man es, eine Kopfnuss zu bekommen. Ketten, Schals und lose Kleidung bitte wegpacken.

                              Links: nicht so optimales, rechts: gutes Halten des Hundes vor dem Start

Warum ist das richtige Halten so wichtig? Damit der Hund im Gleichgewicht optimal vom Start weg kommt! Hunde sollten auch ruhig gehalten werden können, wenn der Motor der Zugmaschine zu hören ist oder sich der Hase schon bewegt. Das ist alles Training!!

Werden die Hunde falsch gehalten, kann es nicht nur zu Fehlstarts kommen, sondern Hund und Mensch können sich schwer verletzen.

Die gezeigten Beispiele sind - hoffentlich gut – verfremdet. Es soll hier keiner lächerlich gemacht werden.

Leider wird das richtige Halten nach unserer Erfahrung den Windhundesportlern nicht beigebracht. Immer wieder sieht man vermeidbare Situationen. Alle gezeigten Fotos wurden öffentlich auf Facebook gepostet, und verfremdet!

Hier sind Verletzungen von Hund oder Hundeführer möglich:


 Hier besteht eine Sturzgefahr des Hundes.




Hier besteht eine Verletzungsgefahr für das rechte Handgelenk des Menschen




                  Der Hund links könnte nach hinten stürzen. Rechts stört die Bekleidung den Hund. Zudem ist er nicht auf den Hasen fokussiert





             Hoffentlich ist das gut ausgegangen! Haltetechnik und steadiness sind hier die Themen!



Beide Hunde sind fokussiert. Der Hund mit der roten Decke könnte seinen Besitzer aus dem Gleichgewicht bringen. Der mit der weißen Decke steht ruhig und stabil. Er wird auch bei längerer Wartezeit nicht aus dem Konzept kommen



Die Startbox oder der Startkasten:

Die Box – so oft ein Problem! Der Hund hat Beine und kann selber gehen - er muss nicht „eingesetzt“ werden, hin zum Start getragen oder nach dem Rennen vom Hasen weggetragen werden. Das Betreten der schmalen, beengenden Box kann beim Hund Ängste auslösen. Ein Vorabtraining umfasst das Gehen in eine normale Hundebox zusammen mit einem Hörzeichen wie „geh in die Box“ oder einem anderen selbstgewählten Hörzeichen. Es ist sinnvoll, dem Hund das Rückwärts in die Startbox gehen (von der Startklappenseite aus) zu zeigen. Er lernt so: wo ich rückwärts rein bin, komme ich ganz schnell vorwärts wieder raus. Vorteil: Der Hund kommt gar nicht auf den Gedanken, sich in der Box vor Erregung drehen zu wollen. Ein weiterer, wichtiger Vorteil: der Hund steht bereits vorne in der Box, direkt hinter der Startklappe, und kann beim Öffnen sofort starten. Ein dazu passendes Hörzeichen wäre z.B. „back“ für rückwärtsgehen. Das sollte man immer wieder mal auch abseits der Rennbahn üben. Dann bewege  ich die Klappe langsam, wippe sie, mach auf, und schließe sie dann endgültig.

Mit Sicherheitsabstand lasse ich dann die Klappe rasch von einem Helfer öffnen und übe das schließlich auch mit einem Hasen, der sich einfach an einem Strick befindet. Wenn das funktioniert, lasse ich ihn langsam durch eine Tür mit dem Hörzeichen z.B. „hinein“ oder „geh in die Box“ eintreten. Trainingsfehler wären den Hund mit Gewalt in die Startbox zu schieben oder wenn er die Box durch die Tür verlässt.

Sichere Hunde können einen Neuling begleiten und ihm den Weg zeigen. Zur Not lasse ich auch den Besitzer durch den Startkasten robben.

 

Foto: Susanne Walcher:

Die beiden wurden mit dem Hörzeichen "back" rückwärts „eingeparkt“. Hinten sieht man die geschlossenen Türen des Startkastens.



Hat der Hund alle Bereiche ausreichend und gut trainiert und läuft solo sicher aus der Startbox oder mit Handstart beim Coursing, beginnen wir mit den Läufen mit den Begleithunden.

Dafür ist das Tragen einer Renndecke und eines Maulkorbs Vorschrift. Ich gebe den Maulkorb kurz vor dem Start auf den Hund. So merkt er den Vorgang gar nicht und verknüpft ihn sofort mit Hetzen dürfen. Ist auch das sicher, kann mit der Lizenz begonnen werden. Dazu siehe bitte die jeweiligen Sportordnungen der Vereine!

Im Übrigen werden die Rassen Irish Wolfhound und Deerhound bei den Rennen vor den Boxen aus der Hand gestartet. Sie passen nicht in die Startkästen.

 

     Alles rund ums Rennen und Coursen

Die eigene Ausrüstung

Leine:

Die Leine, mit der man zum Start geht, sollte nicht länger als 150 cm sein und außer dem Karabiner keine weiteren Metallteile haben.

Maulkorb:

Maulkörbe gibt es in verschiedenen Formen. Sie können aus Kunststoff sein oder aus Metall. Das Reglement gibt vor, wie sie beschaffen sein müssen. Das Wichtigste ist: der Maulkorb muss so groß und tief sein, dass der Hund den Fang genügend weit öffnen kann. Metallmaulkörbe sehen elegant aus. Die Drähte können aber beim Versuch den Hasen zu fangen zwischen die Zähne geraten und sich einklemmen. Ich habe es selber schon erlebt, dass die Drähte mit einer Zange aus den Zähnen entfernt werden mussten. Nicht schön für den Hund.

Übrigens: Im Solo-Training sollte der Maulkorb nur sporadisch aufgezogen werden. Der Hund soll ja Erfolg beim Beutemachen haben und nicht frustriert werden.

Den Renn-Maulkorb setze ich dem Junghund in dem Moment auf, wo er schon gut in die Startbox geht und wenn er schon weiß, dass dann der Start erfolgt oder wenn er bereits ruhig in der Hand vor dem Coursingstart steht. Dann vergisst er, dass er ihn abstreifen könnte.

Fotos: Claus Walcher

Hier wurde ein Griffband in den Maulkorb eingeklebt. Es verhindert ein Aufschürfen am Kinn und ein durch den Korb hindurch beißen beim Hasenfangen am "kill"


Hier weitere Beispiele. Zu beachten ist bei der Auswahl, dass der Maulkorb beim Rennen auf dem Kopf wippt. Bei „stabileren“ Exemplaren kann es sein, das dem Hund bei jeder Kopfbewegung die Sicht genommen wird. Der Maulkorb muss so tief sein, dass der Hund zum Atmen den Fang weit öffnen kann.



Hier könnte noch mehr Platz unterm Fang sein








Als Coursingdecke eigentlich nicht zugelassen: Eine Renndecke, bei der man noch eine Aufschrift erkennt


Drahtmaulkorb, der Fang lässt sich gut öffnen

    


Alle Fotos: Claus Walcher               Genügend Platz unterm Fang und ein eingeklebtes Griffband



Halsung:

Es gibt sogenannte Start- oder Starterhalsungen, die sich einfach und schnell öffnen lassen. Noch wichtiger ist aber, dass man sie auch wieder schnell schließen kann, wenn man den Hund nach dem Lauf wieder anleinen muss. Sogenannte „Jagdhaken“ würde ich meiden. Sie sind gedacht für kontrolliertes Öffnen und könnten bei entsprechender Berührung, wenn der Hund sehr aufgeregt ist und herumspringt, aufgehen. Bei einem Finale eines Rennens können bis zu sechs Hunde an den Start gehen, das kann eng und hektisch sein. Zu Bedenken ist, dass man die Halsung dem Hund aus- bzw. wieder anziehen muss! Halsungen mit Schnallen sind da unpraktisch. Daher habe ich mir selber etwas auf Maß gebastelt: Ein breiter Nylonriemen, etwas Fleece zum Füttern und zwei D-Ringe sowie eine angenähte Leine. Man hat somit einen „begrenzten Würger“ der verhindert, dass sich der Hund nach dem Anleinen aus der Halsung befreien kann um nochmal zum Hasen zu kommen.


     Fotos: Susanne Walcher

Selbst genäht und praktisch. Nur die angenähte Leine sollte länger sein. 150 cm wären gut.


Renn-bzw. Coursingdecken:

Ich bevorzuge die einfachen mit den Gummibändern, weil ich bei meinen Hunden immer „nachgurten“ muss, habe also unterschiedliche Körperformen je nach Bewegung durch das Warmlaufen. Zu enge elastische Shirts engen ein, bei zu weiten könnte der Hund mit der Hinterhand hineingreifen. Das an-und ausziehen ist manchmal schwierig.

 

Foto: Claus Walcher.

Coursingdecke mit Gummibändern. Es ist keinerlei Aufschrift gestattet. Damit das Geschirr ausgezogen werden kann, muss hier der Maulkorb aber vor dem Start abgenommen werden 😉 Und dann muss er wieder auf den Hund. Das ist mit einer Starthalsung einfacher



Foto: Claus Walcher

Elegantes Shirt – aber es muss auch richtig angezogen werden und darf nicht einengen


Tapen der Daumenkralle:

Bei manchen Hunden liegt die Daumenkralle nicht eng an. Es besteht die Gefahr, dass der Hund damit im Gras einfädelt und sich verletzt. Das Tapen der Daumenkrallen mit selbsthaftender Bandage (z.B. Peha-Haft) kann beim Coursen auf trockenem Gelände mit etwas mehr Bewuchs nötig sein. Es kann aber auch beim Rennen notwendig sein. Die Beweglichkeit der Pfoten muss aber erhalten bleiben. Geeignet sind ca. 4 cm breite adhäsive Binden, die von außen nach innen über den Daumen mit ganz leichtem Zug 2-3-mal um das Gelenk gewickelt werden. Der Daumen wird dabei nicht direkt auf den Fuß gewickelt, sondern erst in der zweiten Runde mit dem Tape eingebunden. Dadurch steht die Daumenkralle nicht ab und ist geschützt.

Foto: Claus Walcher

Hier wurde noch der Ballen mit eingebunden, da dieses Gelände im Bremsbereich scharfen Sand aufweist. Vor jedem Lauf ist dann neu zu Tapen.


Unterschiedliche Situationen bei den einzelnen Rennvereinen

Verschiedene Hasenzugsysteme:

Die Hunde sollten auf unterschiedliche Hasenzugsysteme vorbereitet werden. Möglicherweise bleibt ein Hund sonst, gerade beim Sololauf, stehen. Bei den benzingetriebenen Systemen werden die Hunde auf das Geräusch geprägt und können im Alltag auf Rasenmäher, Motorsägen und ähnliches reagieren. Da das Geräusch weit hörbar ist, werden die Hunde auch bei Rennen vorab schon entsprechend nervös oder laut.

Systeme, bei denen eine elektrisch betriebene Hasenzugmaschine auf einer Schiene läuft sind wesentlich ruhiger und können auch rückwärtsfahren. Das ist beim Antrainieren sinnvoll.

Bei Overhead-Systemen hängt der Hase von oben in die Bahn und bewegt sich, manchmal schlenkernd, nur in eine Richtung. Das Schlenkern kann zu einem Ausweichen des Hundes führen.

Ein Hasenabwurf ist gerade im Training praktisch, da mir der Hund die „Beute“ bringen kann. Der Hasenzieher muss dabei die Maschine anschließend stehen lassen und darf sie nicht wegbewegen, um den Hund nicht auf die Maschine zu prägen. Der Angeleinte Hund darf den Hasen bis zum Aushang tragen.

 

Unterschiedliche Lockmittel und die Reaktion des Hundes darauf:

Je nach Verein werden verschiedene „Hasen“ verwendet. Wir stellen eine Jagd ja nur nach. Daher prägen wir den Hund auf verschiedene Formen des „Hasen“. Flatterbänder werden oft verwendet. Sie sind leicht, wasserfest und meist aus Folienstreifen, gerne jetzt auch in der Farbe Blau. Die wird nämlich vom Hund am besten gesehen. Beim Training verwende ich gerne leichte Dummys, selbstgemacht aus blauem Fleece und ausgestopft mit Noppenfolie. Sie sind leicht und trocknen schnell. Und der Hund kann sie sehr schön fangen, totschütteln und bringen. Echtfell schätze ich persönlich nicht. Natürlich kann der Hund einen echten Hasen von einem gegerbten Kaninchenfell unterscheiden. Trotzdem – ich mag es nicht. Auch da die Gefahr besteht, dass Gegner von Hunderennen dies zum Anlass nehmen zu behaupten, wir würden die Hunde auf andere Tiere hetzen.

 

Trainingsequipment und sein Einsatz:

Der „Hase“:

Den Hasen verwende ich bei der Reizangel, dem Sprinttraining mit dem Gummischnürl und zum „Abwedeln“

Noppen- oder eine andere Verpackungsfolie wird zu einer Rolle gewickelt und mit Tesafilm fixiert. Zwei Gefrierbeutel sollen das Ganze etwas gegen Nässe schützen. Dann wird die Rolle mit einem breiten Klebeband umwickelt. Das gibt mehr Festigkeit. Aus einem schnell trocknenden Fleece Rest wird ein passender Schlauch genäht. Ich bevorzuge die Farbe Blau. Die Schlaufe (zum Werfen oder zum Einhängen in das Gummischnürl) sollte nicht zu groß sein, damit keine Pfote hängenbleiben kann. Gut vernähen und fertig ist das leichte und schnell trocknende Dummy, das auch wunderbar tot geschüttelt werden kann.

Außerdem sollte man auch mit einem „Flatterhasen“ aus Absperrband oder anderen Bändern arbeiten. Abwechslung ist immer gut!


Selbst genäht aus PP-Band hält ein Hase ewig. Das Abflammen der Enden nicht vergessen!

 

Gummischnürl oder Bungeeseil:

Bewährt haben sich 3mm in Neonfarbe und 35 Meter Länge. Das Seil ist bis auf eineinhalb fache Länge dehnbar und ergibt bei mir eine Sprintstrecke von 50 Metern. Wer mehr Kraft hat, kann auch weiter ziehen. Wir befestigen es mit einer Schlaufe oder Karabiner an einem Baum, mindestens in ca. 50 cm Höhe und ziehen es, begleitet von unserem Hund, bis zum Startplatz. Bei unserem Weg achten wir auch Steine und Löcher, denen wir ausweichen. Das Seil bewegt sich ja in einer Linie zurück und der Hund läuft ziemlich genau hinterher. Gezogen wird vor dem an einem offenen Haken angehängten Dummy, damit sich je nach Konstruktion der Haken nicht vom Seil löst.

Bevor man das Seil nicht mehr halten kann (der Zug ist enorm!), hält man an, lässt den Hund absitzen, leint ab und mit dem Hörzeichen „voran“ lässt man das Seil aus.

Das möglichst leichte Dummy kann dann vom Hund aufgenommen und apportiert werden. Nach dem Anleinen beginnt die Übung von neuem. Drei Wiederholungen sollten ausreichend sein. Nicht übertreiben! Auf Ermüdungszeichen achten!

 

Foto: Claus Walcher

Ausziehen des Bungeeseils. Ein Hund zieht einen Bremsschirm und startet als erster, der andere wird an der Leine warten müssen. Unterm Arm das selbstgemachte Dummy.


Bremsschirm:

Es gibt sehr günstige Bremsschirme im Internet zu kaufen. Er ist für bereits gut trainierte Hunde gedacht, die auch eine gewisse Nervenstabilität aufweisen. Der Start erfordert mehr Kraft und die Bremswirkung hilft dem Hund beim Kraftaufbau. Die geringere Geschwindigkeit verhindert ein zu starkes Abbremsen beim Aufnehmen des Dummys und schont so die Gelenke. Der Bremsschirm wird an einem gutsitzenden Geschirr befestigt. Es ist darauf zu achten, dass alle Schnüre frei sind und der Hund nirgends hängen bleiben kann. Es dürfen keine Hindernisse im Bereich der Laufstrecke sein!



Fotos: Claus Walcher

Leichte Irritation des Hundes, was am nicht passenden Geschirr liegt. Der Zug muss über den Rücken kommen und nicht von der Seite.

„Abwedeln“:

Von uns persönlich so genannt, weil eine zweite Person mit einem Dummy in 100 bis 200 Meter Entfernung steht und in Absprache mit dem Dummy sichtbar „wedelt“. Der Hund wird losgeschickt und soll das Dummy zurückbringen.

Fortgeschrittene lassen den Hund absitzen und gehen selber eine passende Strecke vom Hund weg. Erst auf Hörzeichen darf der Hund loslaufen. Das Dummy kann kurz vor Ankunft des Hundes schräg nach hinten geworfen werden, oder man kann es sich aus der Hand nehmen lassen.

 

Verlorensuche:

Die Verlorensuche ist eine gute Möglichkeit, Nase und Bewegungsapparat zu schulen. Zahlreiche Hinweise und Tipps dazu gibt es im Internet. Meine Hunde suchen im leichten Galopp mit tiefer Nase und apportieren im Renngalopp.

 

Reizangel:

Den Einsatz der Reizangel habe ich schon weiter oben beschrieben.

 

Frisbee:

Das Werfen einer Frisbeescheibe muss man lernen. Wer nicht weit werfen kann hat die Möglichkeit, eine schöne „bleib“-Übung einzubauen: Man lässt den Hund absitzen und geht mindestens 20 Schritte weiter, bevor mit einem Hörzeichen der Hund losrennen darf. Läuft er vorher los, wird nicht geworfen. Vorteil: Das Frisbee liegt bereits bevor der Hund da ist. Der Hund kann sich seinen Bremspunkt selber suchen. Richtig geworfen für unsere Zwecke ist das Frisbee dann, wenn die Flugbahn flach über den Boden geht.

Und was passiert, wenn man nicht richtig werfen kann? Die Hinterhand des Hundes ist für Landungen nicht gemacht! Sie hat keine Stoßdämpferfunktion wie die Vorderhand und es kann zu schwerwiegenden Verletzungen kommen. Zum Glück gelingt es diesem Hund, doch noch richtig zu landen. Das ist aber keine Entschuldigung für den Werfenden!


Foto. Claus Walcher





     Wichtig zu beachten!

Körperliche und geistige Erschöpfung.

Körperliche Erschöpfung erkennt man an der Atemfrequenz, wenn der Hund sich spontan niederlegt, an der aufgerollten Zunge, an einer eher blauen als roten Zunge, an nicht mehr tastbarem Puls. Die geistige Erschöpfung ergibt sich durch stumpfes, monotones Wiederholen z.B. das Laufen von geraden Sprintstrecken.

Wir dürfen nicht vergessen, dass einem Windhund fast nichts anderes übrigbleibt, als hinter einem schnell bewegten Objekt herzurennen. Solange bis? Das will man lieber nicht wissen.

Greyhoundsperre, auch Myoglobinurie oder Rhabdomyolyse genannt, ist eine vor allem bei untrainierten Windhunden nach ungewohnter oder übermäßiger muskulärer Belastung auftretende Muskelerkrankung, die bis zum Tod führen kann.

„Erkrankte Hunde zeigen oft erst am nächsten Tag Anzeichen dieser Krankheit. Die betroffenen Tiere haben Lähmungserscheinungen, Zittern, oftmals roten Harn, ihre Temperatur kann sogar auf über 41o C ansteigen und zum Teil lassen sich Blutergüsse an den Schenkelinnenflächen erkennen“. Das ist ein Zitat aus:

https://www.greyhoundprotection.de/wissenswertes/greyhoundsperre/

Hilfreich ist auch:

https://www.tierarztpraxis-kaufering.de/infos-und-tipps/hunde/besonderheiten-windhund/

Bei Symptomen einer Greyhoundsperre ist der mit Renn-Windhunden erfahrene Tierarzt unverzüglich aufzusuchen.

 

Stressreduktion durch abwechslungsreiches Training. Wie wäre es mit rechts herum laufen?

Rechtsherum laufen scheint auf Rennbahnen verpönt zu sein. Jeder Reiter weiß aber, wie wichtig beide Richtungen sind! Sollte es möglich sein, so bittet darum, die Maschine umzudrehen und den Hund rechts herum laufen zu lassen. Dass kein Start aus der Box möglich ist, ist klar. Aber ein Handstart wie beim Coursing ist möglich. Auch wird die Aufmerksamkeit des Hundes auf den Hasen gesteigert.

 

Ernährung, Pflege, Physiotherapie, Kenntnis der Anatomie und und und.... 

Auf diese Themen hier einzugehen überschreitet das eigentliche Thema und man findet dazu viele Hinweise im Internet. Nur so viel: Für Rennen wie auf der Bahn und beim Coursing gewinnt der Hund Energie aus Kohlenhydraten. Daher ist eine kohlehydratreiche Kost vorzuziehen. Proteine sind nach dem Rennen wichtig um Mikroverletzungen schneller zu reparieren. Persönlich habe ich gute Erfahrungen mit Trockenfutter verschiedener Hersteller gemacht bei Proteingehalten um die 25 %. Zur Ernährung des Rennhundes verweise ich auf den Vortrag von Frau Dr. Barbara Thiel auf der Seite des DWZRV.

Eine gute Physiotherapie vor und nach dem Rennen ist für die Gesundheit unerlässlich.

Krallen müssen eine passende Länge haben. Sie sollten den Boden beim Stehen nicht berühren und so gekürzt sein, dass sie keine Höhlung auf der Unterseite aufweisen. Zu kurze Stummel verhindern eine Rückmeldung der Propriozeptoren vom Untergrund und erschweren so einen schnellen Richtungswechsel.

Foto: Jane Bell

Diese Kralle ist zu lang, sie wird einreißen und zu Verletzungen führen.


Regelmäßige Körperpflege stärkt die Bindung zum Hund, Verspannungen und Verletzungen werden früher erkannt. Gerne nehme ich dazu einen weichen Gummistriegel und eine „Schmusebürste“. Eine Kontrolle aller Körperöffnungen (Ohrenpflege, Zahnpflege, Kontrolle der Geschlechtsmerkmale) sollte ebenfalls möglichst wöchentlich stattfinden.


     Das erste Bahntraining

Ist der Hund antrainiert und hat der Besitzer das Gefühl, der Hund ist gut vorbereitet kann man zu einem offiziellen Training auf eine Rennbahn oder ein Coursingfeld gehen. Achtung aber: Das „Training“ dort simuliert meist eine Veranstaltung und hat sehr oft nichts mit einem wirklichen Training zu tun. Außer es ist als solches genau ausgeschrieben, oder ich habe verständnisvolle Trainer gefunden, die meine Ziele verstehen. Sinnvoll ist es, zuerst mit dem möglichst freilaufenden Hund die Bahn abzugehen und das Gelände zu erkunden. Besonders junge, unerfahrene Hunde profitieren davon, weil sie sich die Örtlichkeit einprägen können und feststellen können, dass das Gelände sicher ist.

Wenn der Hund das erste Mal auf einer Bahn laufen soll, ist es sinnvoll, den Aufbau vom Ziel nach hinten zu gestalten. Also: Ich starte den Hund z.B. 100 Meter vor dem Punkt, wo der Hase normalerweise abgeworfen wird. Dann 200 Meter davor und ähnlich weiter. Das Training aus dem Startkasten bleibt davon unberührt. Dort übe ich nur den Start aus der Box und lasse den Hund z.B. nur in die Kurve laufen. Ist der Hund alt genug und läuft er gut von mir weg und bleibt nicht stehen, kann man die ganze Runde vom Startkasten bis zum Abwurfpunkt laufen lassen.

Jegliches Hochheben und Tragen vor dem Start und nach dem Lauf beim Abholen vom Feld ist zu unterlassen. Ein plötzliches Strampeln des Hundes, ein Quetschen des Brustkorbes, der Hund rutscht aus den Händen – alles kann zu Zerrungen oder weiterführenden Verletzungen führen. Denkt immer an das Gleichgewicht, das der Hund braucht, um seinen Körper im Raum zu fühlen. Das kann er nicht, wenn er hochgehoben wird.

Bittet den Hasenzieher, die Maschine solange nicht zu bewegen, bis ihr mit dem angeleinten Hund die Bahn verlassen habt. Wenn der Hund den Hasen bis zum Ausgang nicht tragen kann, dann nehmt ihr ihn mit.

Bitte nicht vergessen: Das Schreien und Bellen der Hunde vor dem Start hat nichts mit Hasenschärfe zu tun, auch wenn das „Profis“ gerne behaupten.

Der Hund hat vier Beine und kann selber zum Start laufen – er kann auch selber in eine Startbox gehen.

Beim Abholen am Hasen eilt es beim Training nicht! Je schneller man dort hinrennt um den Hund „wegzureißen“ desto eher empfindet der Hund die Situation als stressbeladen: jetzt wird ihm die Beute auch noch vom Besitzer streitig gemacht, nicht nur von den Mitläufern, mit denen später zusammen gelaufen wird. 



So schauen gestresste Hunde aus. Oben nach exzessivem Spiel, Fotograf unbekannt. Unten (Foto: L.S.) nach einem Rennen. Die Augen sind nur noch Schlitze, die Zunge ist aufgerollt. Dieser Hund hatte gesiegt und wurde voller Stolz hochgehoben, dabei sein Brustkorb eingeengt.


Und was ist mit Belohnung? Mit Leckerli?

Beim Hetzen und Packen steht der Sympathikus im Vordergrund, da kann auch nicht gefressen werden! Der Sympathikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems. Durch ihn werden vorwiegend Körperfunktionen innerviert, die den Körper in erhöhte Leistungsbereitschaft versetzen und den Abbau von Energiereserven zur Folge haben. Die Belohnung für den Hund ist das Packen und Schütteln. Erst, wenn der Hund abgegangen wurde und ruhig atmet, in der Phase des Parasympathikus (das ist der Erholungsnerv der der Erholung und dem Aufbau körpereigener Reserven dient), bieten wir ihm Wasser und einen kleinen kohlehydrathaltigen Snack an.

Fütterung:

Gefüttert wird bei mir höchstens drei Stunden vor dem Rennen oder Training. Und auch nachher wird erst gefüttert, wenn der Parasympathikus wieder aktiv sein kann.


Richtiges Aufwärmen und ABKÜHLEN! Auch beim Training!

Der Weg vom Auto zum Startpunkt reicht meist nicht aus, den Hund richtig aufzuwärmen. Eine Viertelstunde Bewegung in unterschiedlichen Gangarten, mit engen Wendungen in beide Richtungen, muss zur Routine werden. Glücklich derjenige, der seinen Hund an einer Zweimeterleine longieren kann, mit Wechsel „durch den Zirkel“ auf die andere „Hand“. Bei Nässe und Kälte muss der Hund je nach Fellbeschaffenheit einen passenden Mantel tragen, um nicht auszukühlen. Und lösen sollte er sich auch noch.

Genauso wichtig ist auch das Abgehen. Man bleibt solange mit dem Hund in Bewegung, bis er wieder in normaler Frequenz atmet.

Der Puls wird übrigens an der Innenseite des Oberschenkels getastet. Die für den eigenen Hund normale Atem- und Herzfrequenz sollte man kennen. Auch hier ist zu beachten, dass der Hund der Außentemperatur entsprechend betreut wird. Und nicht vergessen: hat der Hund nach dem Rennen eine halbe Stunde geruht, muss er zum sich Lösen ausgeführt werden!


 Exkurs

Die Bahn

Die Sache mit dem Sand.

Meine Hunde sind nie auf Sand gelaufen, ich habe somit keine persönlichen Erfahrungen. Sandbahnen sind für sehr schnelle Hunde sicherer, weil sie für die Schnelligkeit genug Griffigkeit haben. Sandbahnen werden gewässert, gewalzt und abgezogen, es sind theoretisch auf der gesamten Fläche dieselben Bedingungen vorhanden. Sandbahnprofis können dazu sicher mehr sagen. Nach dem Lauf müssen Augen und Ohren kontrolliert werden, und evtl. der Fang ausgespült sowie die Pfoten abgewaschen werden.



 Die Sache mit dem Gras.

Grasbahnen können durch Wühlmäuse oder deren Feinde (z.B. Dachse) nicht nur Haufen, sondern auch Einsenkungen im Verlauf der Gänge und tiefe schmale Löcher haben. Die Grasbahnen werden aber vorher von den Verantwortlichen abgegangen und kontrolliert. Ich mache es barfuß, da man so Unebenheiten besser spüren kann. Da der Hund hinter der Spur des gezogenen Hasen rennt und durch die Fliehkraft der Hase den Weg vorzeichnet, muss speziell der Laufbereich kontrolliert werden.


Arbeit beendet!

Das ist mein Hinweis an meine Hunde, wenn sie „frei“ haben. Der Hundebesitzer aber hat eigentlich nie frei, er soll und muss immer seinen Hund beobachten und auf ihn achten um mit ihm als Team zu agieren. "Ein gutes Team bewegt sich leise"  hat unsere Trainerin der Rettungshundestaffel Isar, Susi Huber, immer gesagt.

Ich hoffe, ich konnte hier einen kleinen Einblick in den Aufbau des Renntrainings schaffen und wünsche immer heile Pfoten!

 

Weitere Informationen gibt es hier:

Aus dem Kynosverlag das Buch:

Move!  Von Dr. Patrick Blättler-Monnier, Trainings- und Bewegungsaufbau für den wachsenden Junghund

Und folgende Seiten:

https://www.windhundverband.de/

https://windhund.at/

WRCT - Windhund Rennclub Tirol - WILLKOMMEN

https://windhundrennverein-bayern.de/

  

Danke sagen möchte ich Melanie Schneider und Monika Sporer fürs Durchlesen und die konstruktiven Anregungen.

Farchant, im September 2025

 


















    













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